Handball: LK Zug im Europacup

«Aber dann bist du gekommen»

03.03.2017

Soka Smitran ist doppelt so alt wie Daphne Gautschi. Am 4. und 5. März bestreiten die Doyenne und das Teamküken mit dem LK Zug den Handball-Viertelfinal im europäischen Challenge Cup. Vor den zwei bisher bedeutendsten Spielen in der Vereinsgeschichte verrät Smitran ihren verrückten Tick und Gautschi sagt, weshalb «Zöck» ihr grosses Vorbild ist.

Ein Herz und eine Seele: Soka Smitran (links) und Daphne Gautschi.

Als Soka Smitran im Jahr 2000 bei Spono Nottwil das Double mit Meisterschaft und Cup gewann, war Daphne Gautschi noch nicht geboren. Heute herzt die 33-Jährige ihre 17 Jahre jüngere Teamkollegin und erzählt ihr mit einem koketten Augenzwinkern: «Als Teamküken konnte ich mir damals echt nicht vorstellen, jemals mit einer Handballerin zusammenzuspielen, die Jahrgang 2000 hat. Eher würde ich aufhören, dachte ich. Aber dann bist du gekommen. Du bist also der Grund, weshalb ich weitergemacht habe.» Die 16 Jahre alte Schülerin der Sportkanti Aarau wird verlegen – ein solches Lob hat sie noch nie erhalten.

Soka Smitran spielt also immer noch. Längst nicht mehr bei Spono Nottwil, sondern beim NLA-Dritten LK Zug. Am 4. und 5. März treffen Smitran und Gautschi im Viertelfinal des europäischen Challenge Cups auf den holländischen Vertreter Virto/Quintus Kwintsheul – es sind die bisher bedeutendsten Spiele in der Vereinsgeschichte des LK Zug. Beide Partien finden aus finanziellen und logistischen Gründen in der Nähe von Den Haag statt.

Siebeneinhalb Jahre Profi im Ausland

Smitran ist die Routinière beim vierfachen Schweizer Meister. Die in Buchs AG aufgewachsene Kreisläuferin hat siebeneinhalb Jahre lang als Handball-Profi in Frankreich und Dänemark gespielt. Mit HAC Le Havre (Fr), US Mios-Biganos (Fr) und GOG Svendborg Gudme (Dä) gewann sie jeweils den Cup. Als den Höhepunkt ihrer Ausland-Karriere bezeichnet die serbisch-schweizerische Doppelbürgerin jenes Championat, das sie auf Platz drei im Ranking der effizientesten Werferinnen (Anzahl Tore werden durch Anzahl Torschüsse geteilt) beendet hat – hinter den beiden französischen Weltmeisterinnen Véronique Pecqueux-Rolland und Isabelle Wendling notabene. Smitran erwähnt auch den knapp verpassten Meistertitel mit HAC Le Havre. Ein einziger Punkt fehlte zum Triumph. Die ausgebildete Polizistin, die inzwischen als Primarlehrerin arbeitet, definiert ihre Rolle beim LK Zug wie folgt: «Ich bin die Mama des Teams und versuche, den jungen Teamkolleginnen sowohl im Training als auch im Match mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.» Smitran bekommt keinen Altersbonus. Das will sie auch nicht: «Auf dem Feld zählt nur die Leistung. Ich plane auch nicht zu weit voraus. In meinem Alter nehme ich Wochenende für Wochenende», sagt sie mit einem charmanten Lächeln.


Unwiderstehlicher Antritt: Die Zuger Routinière Soka Smitran (Mitte) tankt sich kraftvoll durch. (Bild: Markus Fleischli)

Trainer voll des Lobes

Im bemerkenswerten Palmarès von Soka Smitran fällt etwas auf: 0 Länderspiele. «Mir fehlte im Schweizer Nationalteam die Leistungsbereitschaft, der Erfolgswille auch. Vieles geschah nach dem Zufallsprinzip. Es gab auch einige Trainerwechsel. Deshalb wollte ich mich ganz auf meine Profikarriere konzentrieren», erklärt Smitran die Gründe für ihren Verzicht, das rotweisse Trikot zu tragen. Daphne Gautschi kann sich sehr wohl Einsätze in der helvetischen Eliteauswahl vorstellen. Die 7-fache U-20-Nationalspielerin (16 Tore) treibt ihre Karriere voran, trainiert mit dem Fanionteam neunmal pro Woche. Trainer Damian Gwerder streut seinem Teamküken Rosen: «Daphne gibt Gas. Sie ist talentiert, verfügt über einen sehr guten Wurf und macht stetig Fortschritte. An ihr werden wir noch sehr viel Freude haben.» Co-Trainer und Sportchef Peter Stutz geriet in der Luzerner Zeitung ins Schwärmen: «Daphne ist das grösste Talent ihres Jahrgangs schweizweit. Sie ist athletisch, schlau, witzig, aufgestellt, schnell und hat eine grosse Sprung- und Wurfkraft.» Die Rückraumschützin spielt seit dieser Saison in der NLA – in 17 Meisterschaftsspielen hat sie bisher 53 Tore erzielt.

Turnschuhtick


Gautschi möchte dereinst auf den Spuren von Soka Smitran wandeln. «Ich will unbedingt einmal im Ausland spielen – so wie ‹Zöck›. Frankreich würde mich schon allein wegen der Sprache reizen. Vielleicht könnte ich dort Sport und Studium kombinieren», sagt die schweizerisch-italienische Doppelbürgerin. «Ich komme dich dann besuchen», flachst Smitran. Man merkt: Die beiden Frauen verstehen sich blendend. «Soka ist mein grosses Vorbild. Sie strahlt immer über das ganze Gesicht, sie ist lustig, mit ihr kann ich aber auch ernsthafte Diskussionen führen», sagt Gautschi.

Das wird sie womöglich am Wochenende in Holland tun müssen. Soka Smitran hat nämlich einen Tick: Immer wenn sie einen neuen Ort bereist oder etwas für ihre Gemütslage tun will, kann sie der Verlockung kaum widerstehen, ein paar Turnschuhe zu kaufen. Im vergangenen Jahr war ihre Sammlung auf über 100 Paar angewachsen. «Inzwischen habe ich die Hälfte davon für karitative Zwecke gespendet. So zum Beispiel an Menschen in Serbien, die wegen der Überschwemmung vieles verloren haben», sagt Smitran. Um anzufügen: «Ich trennte mich schweren Herzens von den Schuhen. Denn jedes Paar erzählte mir seine eigene Geschichte.»


Rohdiamant: Die 16 Jahre alte Daphne Gautschi (mit Ball) sei das grösste Talent ihres Jahrgangs schweizweit, meint der Zuger Co-Trainer und Sportchef Peter Stutz.

LK Zug im Challenge Cup 2016/2017

3. Runde.
Hinspiel. In Gillingham (Gbr): LK Zug – Olympia HC London 45:17. – Rückspiel (ebenfalls in Gillingham: Olympia HC London – LK Zug 7:40.

Achtelfinal. Hinspiel. LK Zug – Karpati Uschgorod (Ukr) 29:25. – Rückspiel (ebenfalls in Zug): Karpati Uschgorod – LK Zug 25:36.

Viertelfinal. Hin- und Rückspiel. Virto/Quintus Kwintsheul (Ho) – LK Zug am 4./5. März.

Die besten Torschützinnen des LK Zug

Scherer 33
Smitran 24
Estermann 21
Masset 16
Gwerder 15
Javet 11
Traber 11
Gautschi 10

Zurück