Unihockey: Superfinals in Kloten

Das letzte Spiel

20.04.2017

Das Bündner Geschwisterpaar Manuela und Sandro Dominioni hat am 22. April die Möglichkeit, erstmals gemeinsam die Unihockey-Superfinals gewinnen. Die Stürmerin von Piranha Chur tritt nach dem Showdown in der Swiss Arena in Kloten zurück – ihr beim UHC Alligator Malans spielender Bruder vermutlich auch.

Ein Herz und eine Seele: Manuela und Sandro Dominioni.

Am 22. April werden Manuela und Sandro Dominioni einen besonderen Tag erleben. Das Bündner Geschwisterpaar könnte anlässlich der 3. Unihockey-Superfinals in Kloten erstmals gemeinsam Schweizer Meister werden. Die 26 Jahre alte Stürmerin trifft mit Titelverteidiger Piranha Chur auf NLA-Qualifikationssieger UHC Dietlikon (Beginn: 16.50 Uhr, Swiss Arena). Der 30 Jahre alte Stürmer fordert mit dem UHC Alligator Malans den 10-fachen Champion SV Wiler-Ersigen heraus (Beginn: 20.20 Uhr, Swiss Arena). Manuela Dominioni gibt im finalen Akt der Hallensaison 2016/2017 ihre Abschiedsvorstellung; ihr Bruder erwägt, nach dem Superfinal ebenfalls vom Leistungssport zurückzutreten.


Feines Händchen: Manuela Dominioni geht konzentriert in den Abschluss. (Bild: Theo Gstöhl)

Gemischte Gefühle

«Die Gesundheit geht vor», begründet Manuela Dominioni ihren Entscheid. Die 14-fache Nationalspielerin (8 Tore, 2 Assists) plagte sich in den vergangenen Jahren mit Kniebeschwerden herum. Sie erlitt zwei Kreuzbandrisse, musste ihre Knie dreimal operieren lassen. Immer wieder kämpfte sie sich mühevoll zurück. «Das kostete viel Energie», sagt die sechsmalige Schweizer Meisterin. Vor ihrem letzten Spiel nehme sie eine Mischung aus Vorfreude, Nervosität und Wehmut wahr, meint die Personalberaterin. «In den ersten beiden Superfinals haben wir Dietlikon geschlagen», sagt die sympathische Bündnerin aus Trimmis. Im mentalen Bereich sieht sie ihr Team deshalb im Vorteil: «Wir haben bewiesen, dass wir am Tag X bereit sein können.» Piranha Chur hat am Samstag im Klassiker die Möglichkeit, den sechsten Meistertitel in Folge zu realisieren.

Bolivien und Peru – Pläne nach dem Rücktritt

Den WM-Titel bei den U-19-Juniorinnen 2008 in Polen und die Bronzemedaille an der A-WM 2015 in Finnland bezeichnet Manuela Dominioni als die schönsten Momente ihrer Karriere. «Mit einem weiteren Schweizer-Meister-Titel aufzuhören, wäre nach all meinen Verletzungen das i-Tüpfelchen», sagt die Hallensportlerin. Um anzufügen: «Ich finde es wunderbar, dass wir die Superfinals in der Swiss Arena in Kloten gewissermassen als Familienfest begehen können.» Am 20. April 2013 wurde das Unihockey-Geschwisterpaar am gleichen Tag Schweizer Meister – allerdings an unterschiedlichen Orten. Piranha Chur gewann die Finalissima gegen UHC Dietlikon zu Hause 8:7, UHC Alligator Malans setzte sich in Schönbühl gegen Floorball Köniz auch dank vier Toren von Sandro Dominioni mit 9:4 durch. Manuela Dominioni hat bereits Pläne für die Zeit nach dem Rücktritt: «Im Juli reise ich mit der Organisation ‹Unihockey für Strassenkinder› nach Bolivien. Danach bereise ich Peru. Ich freue mich auf Südamerika.» Dann fällt ihr der Bruder ins Wort. Er lächelt neckisch und sagt: «Du wolltest doch schon immer einmal Fallschirmspringen.»


Auf und davon: Sandro Dominioni ist nicht zu halten. (Bild: Erwin Keller)

Last Minute in den kleinen WM-Final

Auch Sandro Dominioni will nach Ablauf seiner 13. NLA-Saison andere Prioritäten setzen. «Ich kann nicht mehr die gleiche Motivation und Leidenschaft aufbringen wie zu Beginn meiner Karriere. Es ist gut möglich, dass der Superfinal mein letztes Spiel in der NLA sein wird», sagt der 20-fache Nationalspieler (4 Tore, 2 Assists). Die jungen Spieler seien stark und würden Druck machen, konstatiert der 2-fache Schweizer Meister (2006, 2013). Der gelernte Elektroinstallateur hat klare Pläne: «Mein Traum ist es, eine Familie zu gründen. Ich möchte vermehrt die Freizeit geniessen und mich beruflich weiterentwickeln.» Blickt Sandro Dominioni auf seine Laufbahn zurück, erwähnt er nicht ohne Stolz sein Engagement 2013/2014 in der schwedischen Superliga beim Warberg IC und die kurios anmutende Teilnahme an der A-WM 2014 in Göteborg. «Ich stand anfänglich nur auf der Pikett-Liste. Weil sich im WM-Halbfinal aber jemand verletzte und ich ohnehin in Schweden weilte, rückte ich nach. So konnte ich das Bronze-Spiel gegen Tschechien (3:4, die Red.) in der Globen-Arena von der Ersatzbank aus miterleben», erzählt Sandro Dominioni mit leuchtenden Augen.

Im Superfinal dürften Details entscheiden

Der Routinier von Alligator Malans schätzt die Chancen auf einen Sieg «50:50». Kleinigkeiten würden den Superfinal entscheiden: «Box- und Powerplay, Effizienz im Abschluss, schnelles Überwinden von Schwächephasen», zählt Sandro Dominioni auf. Den Einwurf, dass beim SV Wiler-Ersigen ein amtierender Weltmeister – der Finne Tatu Väänänen – den Unterschied ausmachen könnte, kontert der Bündner souverän: «Wir haben mit unserem Trainer Esa Jussila einen zweifachen Weltmeister im Team. Er gewann als Spieler mit den Finnen 2008 und 2010 den WM-Titel.» Auch den Teamgeist liess Sandro Dominioni nicht unerwähnt: «Jeder pusht den anderen. Die Vorfreude bei uns ist gross.»

Übrigens: Die Superfinals könnten nicht nur für die Famiglia Dominioni zu Festspielen werden. Auch die Familie Buchli lässt am Samstag womöglich die Korken knallen – wenn Sereina Buchli (Piranha Chur) und ihr Bruder Remo Buchli (Alligator Malans) den Schweizer-Meister-Titel gewinnen.

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