Basketball: Jonathan Dubas

Der nächste Gipfel wartet schon

05.04.2017

Nach zwei Kreuzbandrissen strebt Jonathan Dubas wieder ganz nach oben: Der grossgewachsene Romand will am 8. April mit dem BBC Monthey gegen Lions de Genève den Cupfinal gewinnen. Der Basketball-Nationalspieler spricht über sein Globetrotter-Leben als Kind, über die Spritzentherapie gegen das Wachstum und über sein Ziel, wieder im Ausland zu spielen.

Fingerspitzengefühl: Jonathan Dubas (BBC Monthey) sucht einen freien Mitspieler. (Bilder: zvg)

Jonathan Dubas setzt sich gerne hohe Ziele. Der Schweizer Basketball-Nationalspieler stand schon auf der Pigne d’Arolla (3790 Meter über Meer). Auch in den Felsen Grönlands ist der Naturliebhaber schon geklettert. Am 8. April wartet nun ein sportlicher Gipfel auf den 26 Jahre alten Romand: Mit dem BBC Monthey bestreitet der Power Forward in der Geneva Arena gegen Gastgeber Lions de Genève den Cupfinal (Beginn: 18 Uhr). Der Rebound-Spezialist und erfolgreiche Drei-Punkte-Werfer nimmt zum dritten Mal Anlauf, im Trikot der Unterwalliser die prestigeträchtige Trophäe zu gewinnen. 2011 und 2012 verloren Dubas & Co. jeweils gegen die Lugano Tigers mit dem letzten Korbwurf (67:68 und 74:76). «In beiden Partien hatten wir zehn Sekunden vor Schluss noch geführt. Das war bitter», sagt der Waadtländer.

Zwei Kreuzbandrisse bremsen Karriere

Das Gespräch mit Indoor Sports findet in Vevey statt, in jener Stadt also, wo auch Thabo Sefolosha aufgewachsen ist. Sefolosha hat als erster Schweizer den Sprung in die weltbeste Basketball-Liga (NBA) geschafft; heute steht er bei den Atlanta Hawks unter Vertrag, verdient dort Millionen. «Ich habe nicht das gleiche Potenzial wie Thabo – obwohl ich mit ihm vorübergehend im Schweizer Nationalteam gespielt habe», antwortet Dubas auf die Frage, ob er nicht auch gerne in der NBA spielen würde. Die beiden Kollegen aus Jugendzeiten sehen sich im Sommer, wenn Sefolosha jeweils in Vevey weilt, ab und zu im Kraftraum. «Ich bin zufrieden mit dem, was ich bis jetzt geschafft habe. Leider haben mich zwei Kreuzbandrisse in meiner sportlichen Karriere aber zurückgeworfen», sagt Dubas.

Im Februar 2014 hatte sich Dubas am rechten Knie verletzt. Er spielte damals in Belgien bei den Leuven Bears. Seine Mutter stammt aus diesem Land, Dubas ist schweizerisch-belgischer Doppelbürger. Er war acht Monate lang ausgefallen; kam in der folgenden Saison bei Kangoeroes Basket Willebroek nicht auf Touren, sodass er seine Zelte in Belgien bald abbrach und wieder in die Schweiz zurückkehrte.


Der Mann mit den Krakenarmen: Der 2,04 Meter grosse Jonathan Dubas (links) wirft den Ball in den Korb.

Mit den Lugano Tigers gewann er 2015 seinen ersten Titel, im Cupfinal setzten sich die Tessiner gegen Union Neuenburg mit 79:61 durch. In Lugano gelang Dubas auch noch ein anderes Kunststück: Der leidenschaftliche Stand-Up-Paddler hat auf seinem Brett den Luganersee überquert. Auf die Saison 2015/2016 hin wechselte Dubas wiederum zum BBC Monthey, wo er im gleichen Jahr und auch 2016/2017 den Ligacup gewann. Dazwischen musste sich Dubas abermals von einem Kreuzbandriss im rechten Knie erholen.

Basketball-Abc in Sarajevo gelernt

Jonathan Dubas blickt auf eine bewegte Jugendzeit zurück. Weil sein Vater beim Roten Kreuz arbeitete, kam die Familie viel herum, lebte in wenig bekannten Ländern wie Malawi und in der Demokratischen Republik Kongo, später in Kroatien sowie Bosnien und Herzegowina. An die Zeit nach dem Bosnienkrieg kann sich Dubas noch gut erinnern. 1998 befand sich Sarajevo im Wiederaufbau. «Ich war sieben Jahre alt, als ich zum ersten Mal ein Training des lokalen Basketballklubs besuchte. Mein Bruder kam auch mit, mochte die Einheit jedoch nicht. Ihm fehlte die Ordnung auf dem Spielfeld, alle rannten dem Ball hinterher, um ihn gleich selbst in den Korb zu stopfen», erzählt der Basketballprofi mit einem Schmunzeln. Mehr als zehn Jahre später, inzwischen Schweizer Nachwuchs-Nationalspieler geworden, ist Dubas wieder nach Sarajevo gereist – und hat im gleichen Fitnessklub trainiert wie damals. «Dieser Moment ist mir im Gedächtnis geblieben, während ich mich an die Zeit in Afrika kaum mehr erinnern kann.»

Wachstum gebremst

Dubas schoss bereits im frühen Kindesalter in die Höhe. Als er 14½ Jahre alt war, erreichte der Teenager eine Körpergrösse von 1,90 Metern. Der Arzt prognostizierte ihm eine Endgrösse zwischen 2,08 und 2,12 Metern. Dubas wurde empfohlen, sein Wachstum hormonell bremsen zu lassen. Er befolgte den Rat und liess sich ein Jahr lang monatlich mit Spritzen behandeln. Heute misst der Hüne 2,04 Meter. Damit ist Dubas aber nicht der Grösste im Team – diesen Platz teilen sich Rodrigue Maza (Fr) und Jordan Heath (USA) mit je 2,08 Metern.


Dribbelstark: Jonathan Dubas zieht an einem Gegenspieler vorbei.

Bleibt Dubas von weiteren Verletzungen verschont, zieht es ihn nochmals ins Ausland. In eine starke Liga. «Spanien, Italien oder Belgien würden mich reizen. Ich möchte meine Grenzen ausloten», sagt Dubas. Das will er auch am 8. April. «Lions de Genève ist ein starker Gegner mit einem sehr guten Trainer. Wenn wir den Cupfinal gewinnen wollen, müssen wir mehr Energie und mehr Siegeswillen aufs Feld bringen als Genf.»

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