Basketball: Sensation im Cup

Die Würfe ihres Lebens

09.04.2017

Der BC Winterthur schafft im Basketball-Cupfinal der Frauen in Genf die Sensation: Zwei Sekunden vor Schluss beweist Cinzia Tomezzoli starke Nerven und führt mit zwei Freiwürfen die Entscheidung herbei. Der haushohe Favorit Elfic Fribourg verspielt ebenso einen 16-Punkte-Vorsprung leichtfertig wie später das Männerteam des BBC Monthey.

Am Ziel der Cup-Träume: Der BC Winterthur feiert den ersten Titel in der Vereinsgeschichte. (Bilder: Jonathan Picard)

Es sind die zwei wichtigsten Freiwürfe ihres Lebens. Cinzia Tomezzoli, Kapitänin des krassen Aussenseiters BC Winterthur, nimmt 2,1 Sekunden vor Schluss des Basketball-Cupfinals gegen den haushohen Favoriten Elfic Fribourg Mass. 59:59 steht es auf der Anzeigetafel. Die Schweizer Nationalspielerin atmet tief durch, sucht ihren Vater oben auf der Tribüne, sie will Blickkontakt mit ihm, findet ihn aber nicht. Die vertraute Geste hätte sie beruhigt, denn ihr Vater schaut oft zu, wenn sie über den Mittag im Fitnessstudio Freiwürfe übt. Tomezzoli muss den Ball nun werfen. Sie ist extrem nervös. Das Publikum in der Arena Genf hält den Atem an. «Cinzia, vergiss jetzt alles, du bist im Gym und machst die Dinger rein. Es hat funktioniert», sagt die 1,74 Meter grosse Flügelspielerin nach dem 61:59 erleichtert. Der Cup-Triumph des Winterthurer Ensembles kann ohne Umschweife als die grösste Schweizer Basketball-Sensation in den letzten 30 Jahren bezeichnet werden. «Es ist wie im Traum, der schönste Moment in meiner Karriere. Ich kann das nicht beschreiben», sagt die 28 Jahre alte Tomezzoli nach dem ersten Titel in der Vereinsgeschichte. Überragend beim NLA-Fünften: Sarah Halejian. Die US-Amerikanerin steuert 24 Punkte zum Triumph bei.


Der Lohn für ihre Präzisionskunst: Winterthurs Topskorerin Sarah Halejian strahlt mit dem Pokal um die Wette.

Verlierer mit Galgenhumor

Der BC Winterhur wirkt zu Beginn des 75. Cupfinals gegen das gegenwärtig stärkste Team der Schweiz wie blockiert. 0:8, 3:15, 9:24, 13:29 liegt die Equipe von Daniel Rasljic zwischenzeitlich zurück. Mitte des zweiten Viertels beträgt der Vorsprung von Elfic satte 16 Punkte. «In dieser Phase hätten wir das Spiel entscheiden müssen. Wir haben uns zu lange auf dem grossen Vorsprung ausgeruht», sagt der Trainer der Elfinnen, Romain Gaspoz. Dann macht er seinem Ärger Luft: «Am Ende hat der Kampfgeist gefehlt.» In der Stimme des künftigen Teamchefs des BC Boncourt (Männer) ist ein Anflug von Galgenhumor zu hören, als Gaspoz meint: «Es ist gut, dass ich gehe. Offensichtlich kann ich den Cup mit Elfic Fribourg nicht gewinnen. Nächstes Jahr gewinnt Elfic den Pokal.» 2015 hatten die Freiburgerinnen gegen Hélios VS Basket (63:68) verloren, ein Jahr später gegen Fizzy Riva Muraltese (62:63).

Sieger schämt sich

«Wir haben den Match in der Verteidigung gewonnen», analysiert Rasljic. Um anzufügen: «Ich bin stolz, den BC Winterthur innerhalb von sieben Jahren von der untersten Liga an die nationale Spitze geführt zu haben.» Der Baumeister des ersten Cupsieges eines Deutschschweizer Teams seit 2006 (Brunnen) sorgt an der Pressekonferenz nach dem Spiel für Erheiterung: «Wir waren schon vor dem Spiel sehr nervös. Ich schäme mich dafür, dass wir nicht daran gedacht haben, dem Gegner ein kleines Geschenk zu überreichen.»

BC Winterthur – Elfic Fribourg 61:59 (8:18, 18:17, 20:10, 15:14)

Genf Arena. – 1500 Zuschauer. – SR Clivaz/Michaelides/Novakovic.

BC Winterthur: Halejian (24), Tomezzoli (9), Baumann (15), Wehrli (2), Barnjak (3); Eisenring (5), Wettach, Bosnjak (3).

Elfic Fribourg: Rol (9), Brock (11), Zali (12), Davis (10), Turin (12); Fora (5), Lugt, Dihigo Bravo.

Bemerkungen: 39. Ausschluss Halejian (5. Foul).

Grandioses Comeback der Genfer Löwen –
Monthey verspielt 16-Punkte-Vorsprung

5075 Zuschauer, so viele wie noch nie an einem Schweizer Basketball-Cupfinal, werden in der Arena Genf Zeugen eines grossartigen Comebacks der Lions de Genève. Die Equipe von Jean-Marc Jaumin liegt im dritten Viertel praktisch hoffnungslos 43:59 zurück. Was dann folgt, beschreibt Trainer Jaumin hinterher mit unbändigem Siegeswillen, den seine Akteure gezeigt hätten. «Ein Spiel kann man immer drehen. Denken Sie nur an den Fussballmatch in der Champions League zwischen dem FC Barcelona und Paris St-Germain (Barcelona gewann vor einem Monat im Achtelfinal nach einem 0:4 im Hinspiel das Rückspiel 6:1, die Red.).» Entscheidend sei das breite Kader gewesen, meint Jaumin. «Die Spieler, die von der Bank kamen, haben für die Differenz gesorgt.» Im letzten Abschnitt zeigen die Gastgeber gegen die zunehmend passiver werdenden Walliser eine Gala. Dank enormer physischer Präsenz und exzellenter Wurfpräzision gewinnen die Löwen das Schlussviertel 27:11. Nach dem 78:77 (18:23, 12:18, 21:25, 27:11) feiern die Genfer den zweiten Cup-Triumph nach 2014 ausgelassen.

Lions de Genève – BBC Monthey 78:77 (18:23, 12:18, 21:25, 27:11)

Genf Arena. – 5075 Zuschauer. – SR: Clivaz/Michaelides/Novakovic.

Lions de Genève: Garrett (12), Parker (8), Ballard (11), Marko Mladjan (16), Kovac (9); Gravet (2), Grüninger (5), Timberlake (15).

BBC Monthey: Humphrey (24), Maruotto (2), Young (19), Maza (2), Heath (12); Dubas (14), Pankracije (4).

Bemerkungen: Lions de Genève ohne Louissaint, Monthey ohne Bavcevic (beide verletzt).


Am Ziel der Cup-Träume: Lions de Genève feiert den zweiten Cup-Triumph in der Vereinsgeschichte.

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