Klub-WM in Kobe: Volero steht im Halbfinal

«Es wird Zeit, die eigenen Grenzen zu überwinden»

12.05.2017

Volero Zürich spielt an der Klub-WM in Kobe (Japan) in einer anderen Liga. Nach drei 3:0-Siegen steht das Starensemble von Zoran Terzic im Halbfinal. Dort geht es am Samstag gegen Rexona Sesc (Br) um Sein oder Nichtsein. Terzic spricht über den unwiderstehlichen Lauf seines Teams, über einen Last-Minute-Transfer und darüber, wie er eine psychologische Barriere aus dem Weg räumen will.

Alles im Griff: Volero Zürich und Trainer Zoran Terzic können am Wochenende etwas Historisches erreichen. (Bilder: FIVB)

Drei Spiele, drei Siege, ein Satzverhältnis von 9:0. Volero Zürich hat an der Klub-WM als einziges Team noch keinen einzigen Satz abgegeben. Wie erklären Sie die Dominanz Ihres Teams?
Zoran Terzic: Wir präsentieren uns in einer guten Verfassung. Ich bin sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben. Ich hoffe, dass wir diese Form im Hinblick auf die nächsten zwei Spiele konservieren können. Dort wird es um Sein oder Nichtsein gehen.

Im Auftaktspiel besiegte Volero Zürich den amtierenden Klubweltmeister Eczacibasi Istanbul überraschend deutlich 3:0 (25:22, 25:20, 26:24). Haben Sie diesen Exploit erwartet?
Überrascht hat mich dieser Exploit nicht, wohl aber mit welcher Leichtigkeit wir den Sieg einfahren konnten. Eczacibasi Istanbul stellt mit all den bekannten Namen ein Dream-Team, das momentan stärkste Team der Welt. Natürlich war der türkische Titelverteidiger im ersten Spiel des Turniers noch nicht zu hundert Prozent konzentriert. Wir haben unsere Chancen genutzt und mit dem Sieg viel Moral getankt. Auf Eczacibasi Istanbul werden wir noch ein zweites Mal treffen – entweder im Final oder im Spiel um die Bronzemedaille.

Wie wichtig ist die kurzfristige Verpflichtung der Serbin Ana Antonijevic, die nach der Verletzung von Stammpasseuse Fabiola ins Team integriert worden ist?
Ana Antonijevic spielt in meinen Plänen eine wesentliche Rolle. Sie verfügt über viel internationale Erfahrung. Sie hatte ja schon bei Volero Zürich gespielt (zuletzt in der Saison 2015/2016, die Red.). Deshalb hat sie sich rasch ins Team integriert. Sie stiess allerdings erst am Flughafen Zürich zu uns. Ana Antonijevic fehlt noch etwas die Praxis. Aber die Automatismen werden zunehmend besser greifen.


Welcome back! Ana Antonijevic (unten links) feiert mit Volero Zürich den Einzug in den WM-Halbfinal.

Im WM-Halbfinal wartet nun Rexona Sesc. Das Team aus Rio de Janeiro wird von Trainer-Legende Bernardo Rezende gecoacht. Was wird der Schlüssel zum Erfolg sein, um in den Final vorzustossen?
Der Gameplan ist simpel: Wenn wir nahe am Maximum spielen und entspannt auftreten, werden wir gegen Rexona Sesc gewinnen. Wir stellen eindeutig das bessere Team.

An der letzten Klub-WM in Manila war die Ausgangslage vor dem Halbfinal gegen Casalmaggiore identisch – Volero Zürich ging als Favorit ins Spiel, verkrampfte sich jedoch und verlor gegen die italienischen Champions-League-Gewinnerinnen 1:3. Angst vor einem Déjà-vu?

Nein, wir haben seither einen Lernprozess hinter uns. Wir müssen einfach locker bleiben.

Bis jetzt ist Volero Zürich auf internationalem Parkett den Beweis schuldig geblieben, entscheidende Spiele gewinnen zu können. Wie wichtig wird der psychologische Aspekt sein?
Der wird zweifellos eine Rolle spielen. Wir müssen unsere spielerische Qualität in die Waagschale werfen. Es wird Zeit, die eigenen Grenzen zu überwinden.

Nach der Klub-WM im vergangenen Oktober in Manila, wo Volero Zürich beide K.-o.-Spiele gegen Casalmaggiore und VakifBank Istanbul verlor, haben Sie mit Ihren Spielerinnen vermehrt im psychologischen Bereich gearbeitet. Ist das Selbstvertrauen inzwischen grösser geworden?
Das kann ich erst nach dem WM-Halbfinal sagen. Wir arbeiteten in dieser Saison sehr stark im psychologischen Bereich (Zoran Terzic kreierte im Training Stresssituationen, damit die Spielerinnen lernen, mit Druck umzugehen, die Red.). Es ist allerdings fast unmöglich, den Charakter eines Menschen zu verändern. Sollten wir es im Vergleich zur Klub-WM in Manila geschafft haben, ein einziges Prozent des Charakters einer Spielerin zu verändern, bin ich für die nächsten zwei K.-o.-Spiele sehr zuversichtlich.

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