BC Winterthur: Sarah Halejian

Ganz schön clever

24.02.2017

Die US-Amerikanerin Sarah Halejian ist Dreh- und Angelpunkt im Spiel der NLA-Frauen des Basketballclubs Winterthur. Die 24 Jahre alte Topskorerin studierte in Yale und will im Sommer in Armenien, der Heimat ihrer Familie, syrischen Flüchtlingen helfen. Am 25. Februar kämpft Halejian mit ihrem Zürcher Team gegen Espérance Sportive Pully um den Einzug in den Cupfinal.

Wie eine Sprungfeder: Winterthurs Mobiliar-Topskorerin Sarah Halejian nimmt unter dem Korb Mass. (Bild: Damian Keller)

Viele der in Europa beschäftigten Basketball-Amerikaner gelangten über den Sport an ein begehrtes College-Stipendium. Auch Sarah Halejian wäre diese Option offen gestanden, doch die Ausbildung an einer renommierten Hochschule war ihr wichtiger. Mit Hilfe einer armenischen Organisation – ihre Grosseltern wanderten einst von Armenien in die USA aus – besuchte sie die Elite-Universität Yale und schloss ihr Studium letztes Jahr in Schottland mit dem Master in Sportmanagement ab.

Zeichnen und Armenisch büffeln

Ihre erste Saison als Profi in Winterthur geniesst sie in vollen Zügen. «Bisher musste ich immer Ausbildung und Sport unter einen Hut bringen, was schwierig war. In Winterthur trainiere ich zwar zweimal pro Tag, aber es bleibt mehr Freizeit als bisher. Vor allem zu Beginn konnte ich meinem Hirn einmal eine Pause gönnen», erzählt die Korbwerferin mit einem Lächeln im Gesicht. Mittlerweile weiss sie sich aber zu beschäftigen, hat ihr Hobby Zeichnen wieder aufgenommen und büffelt auch Armenisch, eine für sie – da zu Hause nicht gesprochen – unbekannte Sprache. «Im Sommer werde ich einen Monat lang in Armenien syrischen Flüchtlingen bei der Integration helfen – um der Organisation zu danken, die mein Studium unterstützt hat», erklärt Halejian ihre Motivation.

BCW als Sprungbrett nutzen


Sportlich gesehen war Sarah Halejian drei Jahre in Folge die beste Skorerin ihres College-Teams. Ihr schottisches Uni-Team führte sie zum Meistertitel. Dass sie auch beim BC Winterthur das Trikot der Topskorerin trägt, verwundert daher nicht. «Eigentlich sehe ich mich als Guard mehr als Spielmacherin, aber ich weiss, dass von mir hier viele Punkte erwartet werden», sagt die Führungsspielerin des NLA-Qualifikations-Fünften. Als beste Punktesammlerin der NLA führte sie ihre Equipe in die Playoffs und in den Cup-Halbfinal, wo der BCW am 25. Februar den Quali-Sechsten Espérance Sportive Pully empfängt (19.30 Uhr, Rennweg). «Die Westschweizerinnen verloren zweimal gegen uns und verpassten wegen uns die Playoffs – entsprechend wollen sie sich revanchieren. Wir werden eine starke Leistung des ganzen Teams brauchen, um uns für den Final zu qualifizieren», meint die US-Amerikanerin. Weiter in die Zukunft schauen mag sie derzeit nicht. «Ob ich nächste Saison noch in Winterthur spielen werde, entscheidet sich im Sommer.»

Wahrscheinlicher ist, dass Halejian das Sprungbrett BCW nützt, um in eine stärkere Liga zu ziehen und weitere Kulturen kennenzulernen. «Noch hat Donald Trump kein Einreiseverbot für armenisch-stämmige Menschen verfügt – in meine Heimat zurück kann ich ja jederzeit», sagt sie lachend. Damian Keller

Cup-Halbfinals der Frauen (25. Februar)

BC Winterthur - Espérance Sportive Pully (19.30 Uhr, Rennweg)
Genève Elite Basket - BCF Elfic Fribourg (16 Uhr, Salle du petit Lancy)

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