Handball: Wacker Thun ist Cupsieger

«Ich bin stolz, mit einer solchen Leistung zurückzukommen»

05.02.2017

Lenny Rubin kam, sah und siegte. Der Filius von Wacker-Thun-Trainer Martin Rubin erzielte im Handball-Cupfinal gegen den NLB-Klub TV Endingen neun Tore für die Berner Oberländer. Der 21 Jahre alte und 2,02 Meter grosse Nationalspieler feierte nach einer längeren Verletzungspause ein glänzendes Comeback.

Überragend: Wacker Thuns Rückraumwerfer Lenny Rubin (Nr. 4) feiert seinen ersten Titel auf höchster Stufe ausgelassen. (Bilder: Roland Peter)

Sie haben zum ersten Mal in Ihrer NLA-Laufbahn einen Titel gewonnen. Was bedeutet er für Sie?
Lenny Rubin: Der Cupsieg bedeutet mir unglaublich viel. Ich habe lange auf dieses Ziel hingearbeitet. Ich wollte unbedingt mit dieser geilen Mannschaft einen Titel gewinnen. Der Sieg gegen den TV Endingen war erst noch hochverdient. Ich bin mega froh.

Sie wurden als bester Spieler des Cupfinals ausgezeichnet. Ist das gewissermassen die Kirsche auf der Torte?
Das ist mir eigentlich egal. Der Pokal ist mir 1000 Mal wichtiger als die Auszeichnung für den besten Spieler des Cupfinals. Ich habe alles gegeben. Ich wollte, dass die Mannschaft den Titel holen kann. Natürlich ist diese Auszeichnung schön – aber ich habe sie auch den Teamkollegen zu verdanken.

Erstmals seit ihrer Meniskusoperation vor dreieinhalb Monaten haben Sie an diesem Cup-Wochenende wieder Ernstkämpfe bestritten. Wie sind Sie mit Ihrem Comeback zufrieden?
Ich bin stolz, mit einer solchen Leistung zurückzukommen. Ich durchlebte schwierige Zeiten. Ich musste zuschauen und konnte der Mannschaft auf dem Feld nicht helfen.

Was war im Cupfinal gegen den NLB-Klub TV Endingen für Sie der Schlüssel zum Erfolg?
Wir wussten, dass Endingen uns alles abverlangen würde. Dieses Team ist gut, es könnte ohne weiteres in der NLA spielen. Man darf Endingen nicht unterschätzen. Wir gingen mit der richtigen Einstellung in den Match.

In der ersten Halbzeit lag Wacker Thun zwischenzeitlich 9:12 zurück, zur Pause hat Ihr favorisiertes Team lediglich 16:15 geführt. Was hat Ihr Vater, Martin Rubin, in der Garderobe gesagt?
Er forderte uns auf, nochmals 30 Minuten lang Vollgas zu geben und dass wir alles aus uns rauspressen müssen. Wir sollten aufs Feld gehen und dem Gegner zeigen, dass wir den Pokal unbedingt gewinnen wollen. Wir sind dann erhobenen Hauptes aus der Kabine gegangen – und haben Vollgas gegeben.

Im Cup-Halbfinal hat sich Wacker Thun souverän gegen den Erzrivalen Kadetten Schaffhausen durchgesetzt (32:28). Wie wichtig ist dieser Sieg gegen den Schweizer Meister fürs Selbstvertrauen? Sehr wichtig. Wer den Cup gewinnen will, muss Kadetten Schaffhausen besiegen. Das war uns allen bewusst. Mir persönlich kam es gelegen, dass wir bereits im Halbfinal auf den Titelverteidiger trafen. Da waren wir körperlich noch etwas fitter. Der Sieg gegen diesen Gegner gibt uns im Hinblick auf den weiteren Meisterschaftsverlauf viel Selbstvertrauen. Sollten wir den Playoff-Final erreichen, wird es aber schwierig. Ein Duell gegen Kadetten Schaffhausen könnte wiederum über fünf Spiele gehen – so wie im vergangenen Jahr.


Wacker Thun und Kapitän Roman Caspar (Nr. 11) feiern den 5. Cupsieg in der Vereinsgeschichte.

Der LC Brühl gewinnt den Cup – eine Thunerin jubelt trotzdem

Die Handballerinnen des LC Brühl St. Gallen gewinnen zum zehnten Mal den Schweizer Cup. Der Rekordmeister setzt sich gegen Rotweiss Thun 27:21 (14:14) durch. Die Entscheidung zugunsten der Ostschweizerinnen fällt zu Beginn der zweiten Halbzeit. Die Berner Oberländerinnen schiessen während 19:18 Minuten keinen einzigen Treffer. Als Flügelspielerin Annina Ganz in der 50. Minute per Siebenmeter endlich trifft, ist die Partie längst entschieden – 15:23. Eine Thunerin allerdings strahlt nach der Begegnung übers ganze Gesicht: Azra Mustafoska. Die Spielmacherin des 29-fachen Champions sagt in breitem Berndeutsch: «Nach einer durchzogenen ersten Halbzeit drehten wir im zweiten Durchgang in der Verteidigung mächtig auf. Wir haben den Match in der Abwehr gewonnen.» Für die 29 Jahre alte Bankkauffrau ist es bereits der vierte Cupsieg. Die 2-fache Schweizer Meisterin und ehemalige Akteurin von Rotweiss Thun weist in der Analyse darauf hin, dass Brühl über ein sehr ausgeglichenes und breit aufgestelltes Kader verfüge: «Dadurch konnten wir das Tempo stets hochhalten. Das war nebst der starken Leistung in der Verteidigung der Schlüsselfaktor.»


Wenigstens eine Thunerin kann sich freuen: Azra Mustafoska feiert mit Rekord-Cupsieger LC Brühl.

Peter Bachmann kann sich den Einbruch in der zweiten Halbzeit nicht erklären. Wie auch? «So etwas habe ich noch nie erlebt. Die Stimmung im Team ist nach der Pause komplett gesunken. Ich weiss nicht, weshalb das passiert ist», sagt der Trainer des DHB Rotweiss Thun. Um anzufügen: «Ich suchte nach Lösungen, probierte vieles aus. Die Lösung mit der offensiven Deckung fand ich erst spät.» Bachmann gewinnt dem Final-Four-Turnier dennoch viel Positives ab. Der Auftritt im Cup-Halbfinal gegen Schweizer Meister Spono Eagles (Rotweiss gewann 25:19) und die erste Halbzeit im Cupfinal sei beste Werbung für den Schweizer Handballsport gewesen. Nach der Niederlage wendete sich Bachmann mit Worten an seine Schützlinge, die er so noch nie gewählt hat: «Ich sagte meinen Spielerinnen, dass sie richtig stolz auf ihre Leistung sein können.»

Laura Berger wirkt zerknirscht. Die Linkshänderin von Rotweiss Thun hat Tränen in den Augen. «Wir spielten nach der Pause wie blockiert. Womöglich fehlte uns die letzte Überzeugung im Abschluss. In diesem Bereich müssen wir nun arbeiten», sagt die 10-fache Nationalspielerin. Wenigstens hätte sich das Team am Schluss etwas aufbäumen können, meint Berger. Dann schiebt sie kämpferisch nach: «Der Trainer hat uns in der Garderobe noch etwas anderes gesagt: Dass unsere Zeit kommen wird.»

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