Wiler-Ersigen zum elften Mal Meister

Nervenspiel im grossen Stil

23.04.2017

Tatu Väänänen und Patrick Mendelin treffen, Nicolas Wolf lässt sich von den Malansern nicht bezwingen: Wiler-Ersigen setzt sich bei der dritten Auflage des Superfinals im Penaltyschiessen durch.

Dreifacher Finaltorschütze: Patrick Mendelin (rechts) führte Wiler-Ersigen zum 11. Meistertitel. (Bilder: swiss unihockey)

Die Kritiker des Formats haben Hochkonjunktur. Je fünf Treffer haben Wiler-Ersigen und Alligator Malans erzielt, die Verlängerung ist absolviert. Will heissen, der Schweizer Meister wird im Penaltyschiessen ermittelt. Dem Zufall werde Tür und Tor geöffnet, das Glück werde zum zentralen Faktor, behaupten die Anhänger der Best-of-7-Serie. Oder anders formuliert: Der Kampf um die begehrteste Trophäe im Unihockeyland verkomme zur Lotterie. Prickelnde Atmosphäre und Fernsehübertragung seien höher zu gewichten als die sportliche Komponente, meinen die Befürworter des Superfinals. Zu letzteren dürften in diesen Momenten sämtliche «Neutralen» unter den 8011 Zuschauern gehören. Spannender könnte der Vergleich in der ausverkauften Klotener Swiss Arena kaum verlaufen.

Mendelins Freude am Penaltyschiessen

Der Beginn des Nervenspiels wird mit «Eye of the Tiger» treffend untermalt. Wer auf die Körpersprache der Schützen achtet, registriert beträchtliche Unterschiede. Dan Hartmann – der 20-jährige Center hat eine hervorragende Partie absolviert, zwei der fünf Malanser Treffer vorbereitet – erweckt nicht den Eindruck, als sei er von seinem Vorhaben restlos überzeugt; das Erfolgserlebnis bleibt aus. Wiler-Kapitän Tatu Väänänen hingegen, der abgebrühte Finne, mit der Erfahrung von fünf WM-Finals ausgestattet, lässt Martin Hitz im Gehäuse der Bündner nicht den Hauch einer Abwehrchance. Sein Landsmann Jarkko Nurmela, auf der Gegenseite agierend, verzögert seinen Abschlussversuch, der im Verlauf des Abends immer stärker gewordene Nicolas Wolf pariert. Worauf Patrick Mendelin an der Reihe ist. Der Baselbieter in Berner Diensten, welcher vermutlich selbst dann die Ruhe bewahrte, wenn ein Meteorit neben ihm einschlagen würde, tanzt Hitz mit einer Links-Rechts-Links-Kombination aus. «Du musst dieser Herausforderung mit Freude begegnen», wird der 30-jährige Flügel im Zusammenhang mit dem Penalty später sagen. Nach Mendelins Treffer ist klar: Kevin Berry muss reüssieren, ansonsten ist die Partie zu Ende.

11. Meistertitel für die Unteremmentaler

Der Malanser, auf nationaler Ebene einer der stärksten Verteidiger, ist in den 70 Minuten nicht eben selbstbewusst aufgetreten. Seine Wahl zum Penaltyschützen überrascht, das Verdikt weniger. Derweil die Unteremmentaler ausgelassen den elften Meistertitel in ihrer Vereinsgeschichte feiern, herrscht auf der Bank der Bündner Tristesse. Was insofern verständlich ist, als sie in dieser Partie einiges richtig gemacht haben. Das erste Drittel vermochten sie resultatmässig ausgeglichen zu gestalten, obwohl Wiler-Ersigen mehr Spielanteile und bessere Chancen hatte. Im mittleren Abschnitt nutzen sie drei von sechs erstklassigen Einschussmöglichkeiten, konterten den Rivalen lehrbuchmässig aus. In den letzten 20 Minuten hingegen beschränkten sie sich mehrheitlich auf das Verwalten des Vorsprungs. Was im Unihockey selten gut kommt.

Jussila glaubt nicht an Glück

Wiler-Ersigens Trainer Thomas Berger bündelte die besten Kräfte, sein Ensemble erhöhte den Druck. In der 51. Minute realisierte Daniel Sebek das 3:5, 45 Sekunden später stand es 5:5. Fortan kontrollieren die Berner das Geschehen; sie kamen zehn Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit durch Matthias Hofbauer und zwei Minuten vor Ende der Verlängerung durch Ville Lastikka zu Grosschancen. Auf der Gegenseite verpasste Remo Buchli die einzige erwähnenswerte Gelegenheit um wenige Zentimeter respektive Hundertstelsekunden. Esa Jussila, scheidender Trainer der Malanser mit Wiler-Ersigen-Vergangenheit, lässt den Begriff Zufallsentscheidung nicht gelten. «Ich glaube nicht an Glück. Es gewinnt immer die bessere Mannschaft, sei es nach 60 Minuten, 70 Minuten oder eben im Penaltyschiessen», erwidert der Finne auf die entsprechende Frage.

Mendelin als Glücksbringer

Der – Penalty inklusive – dreifache Finaltorschütze Mendelin hingegen hält schmunzelnd fest, am Schluss sei das Glück «auf unsere Seite gekippt». Ist der Rechtsausleger dabei, gewinnt Wiler-Ersigen den Titel. Sagt zumindest die Statistik. 2013, als die Berner im Viertelfinal scheiterten, rettete Mendelin seinen Stammverein Leimental vor dem Abstieg in die 2. Liga. Vor Jahresfrist, als sich die Geschehnisse wiederholten, schoss er den Fusionsklub Basel Regio in die NLB. Aus der Perspektive des Branchenleaders lässt er sich als Glücksbringer bezeichnen. Superfinal hin oder her.

Micha Jegge

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