Volleyball: Champions League

Voleros Flirt mit der russischen Liga

01.03.2017

«From Russia with Love»: Der russische Volleyballverband wirbt um Volero Zürich und könnte dem Schweizer Branchenprimus bald ein Teilnahmeangebot für die Superliga 2017/2018 unterbreiten. Stav Jacobi, VR-Präsident des Zürcher Renommierklubs, wäre nicht abgeneigt, an einer KHL-artigen Meisterschaft teilzunehmen.

Überragend: Volero Zürichs Mittelblockerin Jekaterina Orlowa (Nr. 15) hat gegen Dinamo Krasnodar ein feines Händchen bewiesen. (Bilder: Dominic Staub)

Volero Zürich könnte schon in der kommenden Saison in der russischen Superliga spielen. Laut Informationen der russischen Sportnachrichtenagentur R-Sport, www.russiavolley.com und www.worldofvolley.com spielt der russische Volleyballverband mit dem Gedanken, die drei europäischen Spitzenklubs Volero Zürich, Telekom Baku und Azerrail Baku an die Meisterschaft 2017/2018 zu locken. Hintergrund: Der Schweizer Branchenleader und die beiden aserbaidschanischen Champions-League-Vertreter haben in ihren Ligen keinen kompetitiven Wettbewerb. «Wir führen mit diesen drei Vereinen Gespräche. Die entscheidende Frage wird sein, ob ein vernünftiger Spielkalender möglich wird. Ich würde es begrüssen, wenn Volero, Telekom und Azerrail in der kommenden Saison in der russischen Meisterschaft spielen», liess Wladislaw Fadeew, Direktor des russischen Volleyballverbandes (VFV), verlauten.

Auf den Spuren der KHL

Eine länderübergreifende Meisterschaft gibt es in Russland bereits: die Kontinental Hockey League (KHL). In der höchsten Eishockey-Spielklasse Russlands sind Mannschaften aus acht Nationen vertreten. Klubs aus Russland (22), China (1), Finnland (1), Kasachstan (1), Kroatien (1), Lettland (1), der Slowakei (1) und Weissrussland (1) kämpfen um die prestigeträchtige Gagarin-Trophäe.

Ob in der Superliga 2017/2018 auch die nichtrussischen Teams von der Ausländerinnenregelung betroffen wären, ist noch nicht definitiv geklärt. Dem Vernehmen nach dürften am bestehenden Regelwerk keine Anpassungen vorgenommen werden. In der laufenden Superliga darf ein Team pro Spiel nur zwei Ausländerinnen einsetzen. Im Kader von Volero Zürich figurieren gegenwärtig Akteurinnen aus zehn Nationen. Nur Irina Malkowa und Jekaterina Orlowa besitzen einen russischen Pass.

Jacobi steht der Superliga offen gegenüber

«Erst wenn ich die offizielle Einladung erhalten habe, kann ich mich konkreter zu diesem Thema äussern», sagt Stav Jacobi, Verwaltungsrats-Präsident von Volero Zürich. «An der Schweizer Meisterschaft 2017/2018 werden wir aber auf jeden Fall teilnehmen. Wenn es der künftige Spielkalender erlaubt, auch das russische Championat zu bestreiten, werde ich diese Möglichkeit prüfen.» Einige Fragen müssten allerdings noch geklärt werden – so das Format der Meisterschaft, die Anzahl der Flüge zu den Spielen und rechtliche Aspekte. Es sei für Volero sowohl aus zeitlichen Gründen als auch aus finanziellen Überlegungen unmöglich, während der Qualifikationsphase 9 bis 11 Mal nach Russland zu fliegen, so Jacobi.

Um an einer offenen russischen Meisterschaft teilnehmen zu können, wird Volero Zürich vermutlich auch die Freigaben des Europäischen Volleyballverbands (CEV) und von Swiss Volley benötigen. Es wäre das erste Mal, dass die beiden Verbände über einen solch brisanten Fall befinden müssen.


Ein strenger Trainer: Zoran Terzic redet seinen Spielerinnen ins Gewissen.

Timeout nach dem ersten Ballwechsel

Volero Zürich hat sich in der Champions League souverän für die Viertelfinals qualifiziert. Das Starensemble aus der Limmatstadt liess dem russischen Vertreter Dinamo Krasnodar beim 3:0 (25:18, 25:23, 25:22) keine Chance. 1250 Zuschauer sahen in der Saalsporthalle eine einseitige Partie – Voleros vierter Sieg im sechsten Gruppenspiel war nie in Gefahr. Mittelblockerin Jekaterina Orlowa steuerte am meisten Punkte zum ungefährdeten Erfolg bei – 7 der 14 Punkte kamen im Block zustande. Nicht in der Halle anwesend war Stav Jacobi. Der Verwaltungsrats-Präsident von Volero Zürich musste sich notfallmässig in Spitalpflege begeben.

Trainer Zoran Terzic analysierte die Partie mit gemischten Gefühlen: «Ich bin zufrieden, dass wir nun zu den sechs besten Teams Europas gehören. Aber wir müssen noch viel lernen – besonders im Hinblick auf die bevorstehende K.-o.-Konkurrenz.» Der 50 Jahre alte Serbe nahm im dritten Satz beim Stand von 0:1 überraschend schnell ein Timeout. «Es war ein Weckruf an die unkonzentriert auftretenden Spielerinnen. Sie zeigten nicht jene Leistung, die ich jeden Tag im Training einfordere. Ich hoffe, dass sie zum letzten Mal so schlecht gespielt haben – einen solchen Auftritt kann und will ich nicht akzeptieren», begründete Terzic seine Massnahme.

Auf Volero Zürich wartet im Viertelfinal ein dicker Brocken: Der Schweizer Vertreter trifft in drei Wochen entweder auf einen der beiden Istanbuler Spitzenklubs VakifBank (mit der chinesischen Olympiasiegerin Ting Zhu) und Fenerbahçe (mit dem südkoreanischen Superstar Kim Yeon-koung) oder auf die Squadra aus Modena (mit der serbischen Olympia-Zweiten Jovana Brakocevic Canzian). Der erstmalige Einzug in das Final-Four-Turnier, das am 22./23. April in Treviso (It) stattfindet, dürfte für Volero Zürich angesichts der hochkarätigen Gegner ein schwieriges Unterfangen werden. Gesetzt für das Final-Four-Turnier ist Organisator Imoco Volley Conegliano.

Die Auslosung für die Viertelfinals (Hin- und Rückspiel) findet am 3. März in Luxemburg statt. Weil Volero Zürich in der Vorrunde gegen den russischen Champion und Gruppensieger Dinamo Moskau zweimal 2:3 verloren hat, müssen die Abgesandten von Swiss Volley im Viertelfinal gegen einen Gruppensieger ran.

Volero Zürich – Dinamo Krasnodar 3:0

Saalsporthalle. – 1250 Zuschauer. – SR Isajlovic/Sarikaya (Ö/Tür). – Einzelne Sätze: 25:18 (24 Minuten), 25:23 (27 Minuten), 25:22 (29).

Volero Zürich: Fabiola 3 Gewinnpunkte (2 Angriff/0 Block/1 Service), Rabadschjewa 10 (7/2/1), Akinradewo 9 (7/1/1), Carcaces Opon 13 (11/1/1), Orlowa 14 (4/7/3), Rykhliuk 8 (8/0/0), Popovic (Libera/0); Mammadowa 3 (3/0/0), Mariana Costa 0, Zivkokvic 0.

Dinamo Krasnodar: Serbina 0, Nikolajewa 4 (3/1/0), Gendel 7 (6/1/0), Malych 9 (9/0/0), Tschaplina 13 (11/1/1), Samojlenko 5 (3/2/0), Tretjakowa (Libera/0); Perepelkina 3 (2/0/1).

Bemerkungen: Volero Zürich ohne Malkowa, Unternährer, Lengweiler und Karadayi (alle nicht eingesetzt) sowie Schottroff (nicht im Aufgebot).

Champions League. Vorrunde. Gruppe B. 6. Runde: Volero Zürich – Dinamo Krasnodar (Russ) 3:0. Alba Blaj (Rum) – Dinamo Moskau 1:3 (21:25, 25:23, 16:25, 22:25). – Schlussrangliste (nach 6 Runden): 1. Dinamo Moskau 15 (18:8). 2. Volero Zürich 14 (16:7). 3. Dinamo Krasnodar 4 (6:16). 4. Alba Blaj (Rum) 3 (6:15). – Dinamo Moskau und Volero Zürich sind für die Viertelfinals qualifiziert.

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