Werner Augsburger

«Ich möchte den Sport mit viel Enthusiasmus repräsentieren»

20.11.2016

Werner Augsburger will am 25. November die Nachfolge des scheidenden Swiss-Olympic-Präsidenten Jörg Schild (70) antreten. Der 57 Jahre alte Walliser, Verwaltungsrats-Präsident der Indoor Sports Genossenschaft und Geschäftsführer von Swiss Volley, spricht über seinen Anti-Trump-Wahlkampf, über seine Chancen und darüber, wie er den Verband führen will.

Werner Augsburger, Geschäftsführer von Swiss Volley und Verwaltungsrats-Präsident der Indoor Sports Genossenschaft.

Was reizt Sie am höchsten Funktionärsamt im Schweizer Sport?
Werner Augsburger: Es reizt mich, gemeinsam mit dem Exekutivrat von Swiss Olympic die Entwicklung des Schweizer Sports zu beeinflussen. Ich möchte sowohl für die Athletinnen und Athleten als auch für die 86 Mitgliedsverbände bestmögliche Rahmenbedingungen schaffen. Es ist mir ein Anliegen, dass der Sport in unserem Land den Stellenwert bekommt, den er verdient – nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in Politik, Wirtschaft und in den Medien. Das gilt sowohl für die grossen Sportarten wie auch für die medial weniger beachteten Sportarten.

Wie haben Sie Wahlkampf betrieben?
Ich bin kein typischer Wahlkämpfer, der links und rechts Versprechungen abgibt, die er womöglich nicht halten kann. Ich habe viele Gespräche geführt. Ein reger Austausch kam auch auf elektronischem Weg zustande. Ich wollte wissen, welche Bedürfnisse und welche Erwartungen die Verbände haben.

Hat Ihr Wahlkampf etwas gekostet?
Gekostet? Ich bestreite einen Anti-Trump-Wahlkampf (lacht herzhaft). Im Ernst: Mein Wahlkampf kostet Zeit und viel geistige Energie – mehr, als ich erwartet habe. Der Kontakt mit vielen Verbandsvertretern ist sehr inspirierend, der finanzielle Aufwand unerheblich.

Wie sehen Ihre letzten Tage bis zur Wahl aus – wird noch mächtig lobbyiert?
Ich werde nicht mehr viel Wahlkampf betreiben. Ich bin froh, dass das Sportparlament von Swiss Olympic bald einen Entscheid treffen wird. Wahlen haben in den letzten paar Tagen vor der Abstimmung etwas Unberechenbares, das man selber nicht mehr gross beeinflussen kann. Die Verbände werden sicher auch Allianzen schmieden, um die eigenen Kandidaten für den Exekutivrat in eine gute Ausgangslage zu bringen.

Wie schätzen Sie Ihre Wahlchancen ein?
Diverse Verbände sind der Meinung, dass es auf einen «Final» Stahl – Augsburger hinausläuft. Die Unberechenbarkeit von Wahlen bringt es aber mit sich, dass letztendlich jeder von uns drei Kandidaten (Werner Augsburger, Jürg Stahl, Martin Landolt, die Red.) 33 Prozent Chancen hat, gewählt zu werden. Entscheidend wird vermutlich sein, wer im ersten Wahlgang ausscheidet und wohin diese Stimmen gehen. Ich persönlich hoffe natürlich, dass die Mehrheit einen Präsidenten wählt, der sich wirklich Zeit nehmen kann und den Schweizer Sport mit Herzblut vertritt.

Fühlen Sie sich bei der Präsidentenwahl als Aussenseiter?
Nein, Aussenseiter wäre das falsche Wort. Schauen Sie, ich bin seit 15 Jahren in der Verbandswelt tätig und verfüge daher über eine grosse Erfahrung. Ich habe bei Swiss Olympic gearbeitet, war Direktor der Eishockey-Liga, heute stehe ich Swiss Volley als Geschäftsführer vor. Das vom Exekutivrat definierte Profil passt gut zu mir.

Weshalb soll das Sportparlament Ihnen die Stimme geben?
Wenn die Verbände der Ansicht sind, dass eine Person den Exekutivrat führen soll, die alle Facetten des Sports sehr gut kennt und den Schweizer Sport auch nach aussen kompetent repräsentieren kann, freue ich mich auf deren Stimmen. Die Wahl selber ist für mich nicht das Ziel per se, sondern die Voraussetzung, um anschliessend Leistung zu erbringen. Im Team und nur im Team und nicht als Einzelmaske.

Wohin wollen Sie Swiss Olympic führen, wenn Sie als Präsident gewählt werden?
Swiss Olympic hat in den letzten Jahren einen sehr guten Job gemacht. Diesen Weg möchte ich weitergehen. Die Finanzierung des Sports aus den Lotteriegeldern ist ein sehr wichtiges Thema, das uns alle beschäftigen wird. Dazu muss politisch auf verschiedenen Ebenen Einfluss genommen werden.

Was werden Sie besser machen als der abtretende Präsident von Swiss Olympic?
Ich masse mir nicht an, die Amtszeit von Jörg Schild zu beurteilen. Ich kann jedoch sagen, was für mich wichtig sein wird: Ich möchte die Anliegen der Mitglieder ernst nehmen. Ich möchte den Sport nach aussen hin glaubhaft und mit viel Enthusiasmus im In- und Ausland repräsentieren.

Ihr Abgang bei Swiss Olympic verlief nicht ohne Nebengeräusche. Sie wurden freigestellt. Könnte dies im Hinblick auf die Wahl ein Nachteil sein? (Werner Augsburger arbeitete bei Swiss Olympic von 1999 bis 2009 als Technischer Direktor und Chef de Mission, die Red)?
Das glaube ich nicht, vielleicht bei einzelnen Personen. Generell habe ich spannende Reaktionen erhalten. Einige Verbandsvertreter waren nicht mehr interessiert an dieser alten Geschichte. Andere wiederum wollte mehr über dieses Thema wissen. Für mich ist diese Geschichte vorbei – sie ist Bestandteil meines Lebenslaufs. That’s it.

Erlauben Sie uns eine provokative Frage zum Abschluss: Was könnte Ihre Nachfolgerin oder Ihr Nachfolger bei Swiss Volley bewirken – wäre Ihr Abgang eine Chance für den Verband?
Ein Wechsel ist immer auch eine Chance. Im Falle meiner Wahl wird sicherlich eine kompetente Führungspersönlichkeit die operative Leitung übernehmen. Der Zentralvorstand unter der Führung der Präsidentin Nora Willi hat sich seit längerer Zeit auf diesen Wahlprozess eingestellt. Mein Nachfolge-Profil ist erstellt. Sollte ich gewählt werden, wird es sofort auf unserer Webseite aufgeschaltet. Ich möchte noch etwas ergänzen.

Bitte schön!
Die Volleyballerinnen und Volleyballer unterstützen meine Kandidatur und wünschen mir viel Glück. Gleichzeitig sagen sie mir aber auch: «Eigentlich hoffen wir insgeheim, dass du nicht gewählt wirst!»

Wahltag bei Swiss Olympic: Indoor Sports schickt fünf Kandidaten ins Rennen

Am 25. November wird das Sportparlament von Swiss Olympic einen neuen Präsidenten und neun Exekutivräte wählen. Das Sportparlament setzt sich aus Vertretern der gegenwärtig 85 Mitgliedsverbände von Swiss Olympic, den Schweizer IOC-Mitgliedern und den Athletenvertretern zusammen – ab dem 1. Januar 2017 wird der Eidgenössische Schwingerverband 86. Mitgliedsverband von Swiss Olympic. Zur Wahl für das höchste Funktionärsamt im Schweizer Sport stellen sich Werner Augsburger (Swiss Volley) sowie die beiden Nationalräte Martin Landolt (Präsident BDP, Swiss Sliding) und Jürg Stahl (SVP, Schweizerischer Turnverband). Unter den Kandidaten für einen Sitz im Exekutivrat befinden sich drei weitere Vertreter der Indoor-Sports-Familie: Pascal Jenny (Zentralvorstand des Schweizerischen Handballverbands), Giancarlo Sergi (Präsident Swiss Basketball) und Daniel Bareiss (Zentralpräsident swiss unihockey). Zur Wiederwahl stellt sich des Weiteren Anne-Sylvie Monnet (Swiss Volley). Sollte der 57 Jahre alte Walliser Werner Augsburger gewählt werden, würde Monnet ihre Kandidatur zurückziehen – zwei Vertreter aus dem gleichen Verband sind nicht möglich.

Das Sportparlament bestimmt alle vier Jahre den Präsidenten sowie die Exekutivräte. Es vereinigt die 479 Stimmen der gegenwärtig 85 Mitgliedsverbände von Swiss Olympic. Auf den Schweizerischen Fussballverband und den Schweizerischen Turnverband entfallen aufgrund ihrer Mitgliederstärke am meisten Stimmen: je 16. Wer das absolute Mehr erreicht, ist als Präsident gewählt. Wird ein zweiter Wahlgang nötig (der Kandidat mit den wenigsten Stimmen fällt aus dem Rennen) genügt die einfache Mehrheit. Der neue Präsident wird sein Amt am 1. Januar 2017 antreten. Er übernimmt ein 50-Prozent-Pensum.

Zurück